St. Elisabeth

Die Vorgeschichte

Die St. Elisabeth-Kirche war, als sie konsekriert wurde, noch nicht Pfarrkirche. Erst am 1. August 1920 wurde die Kuratie St. Elisabeth zur Pfarrei erhoben. Die Muttergemeinde war die St. Matthias Pfarrei. Der Erbauer der St. Matthias-Kirche am Winterfeldplatz, Pfarrer Theodor Kappenberg, hatte schon sehr früh den Plan, auf der sogenannten "Insel" von Schöneberg, dem Bezirk, der zwischen dem Potsdamer- und dem Anhalter-Bahndamm liegt, eine katholische Kirche zu bauen. Durch seine Krankheit wurde er an der Ausführung dieses Vorhabens gehindert.

Sein Nachfolger, Pfarrer Augustin Dierken, griff diesen Plan wieder auf. Im Jahr 1904 wandte er sich in einem offenen Brief an die Katholiken der Reichshauptstadt und bat sie um Unterstützung für den Bau einer dringend notwendigen Kirche auf diesem Teil des Pfarrgebietes.

elisabethaussen.jpgAm 22. August 1906 gelang es Pfarrer Dierken, ein Grundstück gegenüber dem Friedhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde in der Kolonnenstraße 38 / 39 zu erwerben. Weil noch keine ausreichenden Mittel für den Kirchenbau zusammengetragen waren, wurde zunächst ein altes Wohnhaus auf dem Grundstück zu einem Betsaal umgebaut. Dieses provisorische Kapelle erhielt am 19. Dezember 1907 ihre kirchliche Weihe von Pfarrer Dierken. Als erster Seelsorger der jungen Gemeinde wurde Kaplan Theodor Grabe von St. Matthias berufen.

Die Kapelle, für 150 eingerichtet, konnte die große Zahl der Gottesdienstbesucher kaum fassen. Dazu aus der Pfarrchronik:

"An den kommenden Sonn- und Feiertagen wurden die Knaben ganz nahe an den Altar herangedrängt, so dass den Hauptgottesdienst, der um 10:30 gehalten wurde, etwa 320 Personen besuchen konnten. Auch bei der Frühmesse um 7 Uhr war die Kapelle ganz gefüllt.
Auf einem ganz niedrigen Raum über der Toreinfahrt waren die Schulmädchen und die Schwestern untergebracht; dort stand auch das Harmonium. Nur die kleinen Kinder konnten eben noch gerade stehen, die anderen mussten sich bücken, knien oder setzen. In der Kapelle und in den Gängen standen die Besucher so dicht aneinander gedrängt, dass Ohnmachtsanfälle infolge der schlechten Luft keine Seltenheit waren."

In St. Elisabeth konnte eine Niederlassung der Dominikanerinnen aus dem Mutterhaus Arenberg errichtet werden. Ihre Hauptaufgabe war die Ausübung der ambulanten Krankenpflege. Auf dem Hintergelände des Grundstücks wurde ein fünfstöckiges Schwesternhaus errichtet, das ein Heim für junge Mädchen und für gefährdete Großstadtkinder werden sollte. Am 7. 11. 1909 wurde das Elisabethhaus eingeweiht und zugleich die Kapelle in das Erdgeschoss des Hauses verlegt.

Der Bau der St. Elisabeth-Kirche

ElisabethTafelDer Plan für den Kirchbau wurde von dem Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel (1862 - 1927) angefertigt. Im Grundstein der Kirche wurde eine Urkunde eingemauert, die folgenden Text enthält:

"Im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Im Jahre des Heils 1911 am Sonntag Sexagesima, den 19. Februar, unter dem Pontifikat Pius X., als Wilhelm II. König von Preußen und Deutscher Kaiser war, Georg Kardinal Kopp Bischof von Breslau, Blankenstein Bürgermeister unserer Stadt Schöneberg, legte Carl Kleineidam, Fürstbischöflicher Delegat und Probst von St. Hedwig, den Grundstein dieser Kirche, die zu Ehren der hl. Elisabeth von Thüringen erbaut werden soll. (...) Die Zahl der Katholiken der St. Elisabeth-Kuratie beträgt mehr als siebentausend; sie gehören zur Matthias-Pfarrei. Seit drei Jahren und zwei Monaten ist schon auf diesem selben Grundstück in einer Notkapelle täglich das hl. Opfer dargebracht und regelmäßige Seelsorge ausgeübt worden.

Der Herr wolle den Bau mit seinem Segen behüten!"

Das Kirchengebäude wurde am 19. November 1911 fertiggestellt.

Architektur

Ansicht der Elisabeth-KircheDie St. Elisabeth-Kirche wurde von dem Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel als neogotischer Ziegelbau errichtet.

Der gesamte Kirchenbau ist in die Häuserfront hineingestellt. Der Querriegelbau der straßenseitig liegenden Vorhalle ist flankiert von einem Turmpaar, das der Kirchenfassade ihr typisches hochragendes Aussehen gibt.

Das Kirchenschiff verläuft in Nord- Südrichtung, mit dem Altarraum im Norden.

Der Chorraum

Er bildet den vorderen Abschluss des Kirchenschiffes und ist halb so breit wie dieses: ein steil aufragender, stark eingezogener Raum mit quadratischem Grundriss. Seine Rückwand verläuft zur Decke hin spitzbogig. Sie ist glatt, ohne architektonische Gliederung und daher ideal als Träger für ein Fresko oder - wie ursprünglich geplant - für ein Wandmosaik. Der Chorraum ist oben mit einem gotischen Sterngewölbe abgeschlossen. Durch die kleinteilige Netzstruktur des Gewölbes mit seinem Schlussstein und durch die jeweiligen starken Kappenbusungen, besonders in den Zwickeln, erhält die Decke den Charakter eines Spitztonnengewölbes. Sein Licht erhält der Chorraum durch ein mehrteiliges, breit gelagertes Maßwerkfenster in der Ostseite.

Den vorderen Abschluss des Chores bildet ein ausgesparter spitzbogiger Triumphbogen, dessen Scheitel fast in Höhe der Netztonne des Chores liegt.

Der Kirchenraum

Bei ihm handelt es sich um einen Wandpfeilersaal, längs rechteckig gestreckt, mit vier schmalen querrechteckigen Jochen. Durch diese Joche erhält der Raum eine aufgelockerte Gliederung. Drei der vier Joche enthalten – auf der rechten Seite – je ein großes spitzbogiges Fenster. Die linken Jochseitenfenster sind ohne Öffnungen: sie bilden eine sogenannte Blendfensterwand.

Die hohe umlaufende Wandvertäfelung im Innern gliedert den gesamten Kirchenraum in zwei horizontale Zonen.

Der Kirchenraum wird oben abgeschlossen durch ein gotisches Netzrippengewölbe in Tonnenform, das aus den Wandpfeilern spitzgratig herauswächst und sich in Höhe der Fenstermaßwerke verkröpft.

An der gesamten Blendfensterwand dient ein umlaufender Emporengang als Verbindung von rückwärtiger Orgelempore und der Chorempore. Diese Chorempore ist erkerartig ausgebildet mit Brüstung und Gitterstabwerk aus Holz.

Die rückwärtige Wand des Kirchenraumes besitzt seitlich jeweils zwei Doppelzugänge von der Vorhalle her, und in der Mitte, axial, eine altanartige Kapellennische in Form eines Erkers. Über dem Erker liegt die Orgelempore, die sich über die gesamte Breite des Raumes erstreckt.

Sankt Elisabeth Grundriss

 

Das Kirchengebäude in Zahlen

Außenabmessung

Länge der Kirche 41,75m

Breite der Kirche 17m

Höhe des Kirchenschiffs 28m

Höhe des Kirchturms 52m

Innenabmessung

Breite des Kirchenraumes 16m

Breite des Chorraumes 7m

Höhe des Chorraums 14m

Länge des Kirchenraumes 25m

Länge der Orgelempore 6m

Höhe des Kirchenraumes 18m

Der Innenraum

Innenraum St. ElisabethVon Kunstsachverständigen wird immer wieder betont, dass die St. Elisabeth-Kirche ein sakrales Bauwerk von überaus hohem künstlerischen Rang darstellt. Der Kirchenraum hat eine sehr reichhaltige Ausstattung mit Kunstwerken aufzuweisen. Verschiedene manieristische Elemente der Gotik, der Renaissance, des Klassizismus, des Barock und vor allem des Jugendstils kommen hier zum Tragen.

Was dem Betrachter sofort auffällt: der Werkstoff Holz beherrscht den Raum und verleiht im eine besondere, warmtonige Atmosphäre; Holzparkett auf dem Fußboden, Holztäfelung ringsum an den Wänden, hölzerne Brüstungen an Orgelempore, Tribunen und Erkern. Aus Holz bestehen die Altäre, die Kanzel, die Beichtstühle, die Opferstöcke und natürlich auch die Kirchenbänke.

Viele Holzflächen tragen Schnitzereien von außergewöhnlich hoher kunsthandwerklicher Qualität.

Es waren vor allem fünf Künstler, die durch ihre Arbeiten dem Kirchenraum von St. Elisabeth sein unverwechselbares Gepräge gegeben haben.

1. Bernhard Hertel, Kölner Dombaumeister, Architekt und Erbauer der Kirche.

2. Anton Becker- Brockhinke aus Wiedenbrück, Kunsttischler und Holzbildhauer.

3. A. Mormann aus Wiedenbrück, Bildhauer in Holz und Stein.

4. Johanns Grewe aus Wiedenbrück, Kunstmaler.

5. Professor Gebhard Fugel, Kirchenmaler.

Der Hochaltar

Er hat folgenden Aufbau:St. Elisabeth Hochaltar

Holzmensa (Altartisch)

Retabel (senkrechter Altaraufsatz)

Expositorium (Tabernakel mit Baldachin)

In der Mitte der Predella befindet sich der Tabernakel.

Seine beiden Türen tragen je einen von vier Flügelpaaren umgebenen Engelkopf. Die Innenseiten der Türen tragen je ein aufgemaltes Lilienkreuz, vielleicht ein Hinweis auf die ehemalige Zugehörigkeit der St. Elisabeth-Kirche zum Bistum Breslau.

Ebenfalls in der Predella des Hochaltares befinden sich die holzgeschnitzten Brustbüsten der vier großen abendländischen Kirchenlehrer.

Links neben dem Tabernakel:
St. Gregor und St. Ambrosius

Rechts neben dem Tabernakel:
St. Augustinus und St. Hieronymus.

Als gemeinsames Attribut tragen alle vier ein Buch in der Hand.

In der Reihe darüber:

in der Mitte die Aussetzungsnische, die der Aufnahme des Altarkreuzes bzw. der Monstranz dient. Die Öffnung der Nische wird beidseitig flankiert durch zwei Anbetungsengel. An den Außenseiten, unter kleinen gotischen Baldachinen stehend, zwei Heiligenfiguren.

Figur links: die Patronin dieser Kirche, die Heilige Elisabeth.

Figur rechts: der Patron der Muttergemeinde von St. Elisabeth, der Heilige Matthias.

Der Baldachin über dem Tabernakel ist als Kuppeldach ausgebildet.

Den oberen Abschluss des Hochaltares bildet eine Galerie von vier Aposteln in Reliefdarstellung. Diese Galerie wird links und rechts des Hochaltares in der Chorwandvertäfelung fortgesetzt, so dass sich ein ganzer Apostelfries ergibt.

Die Kalvarienberggruppe über dem Hochaltar

kalvarienbergDiese lebensgroße Kreuzigungsgruppe wurde 1911

gefertigt von dem Künstler A.Mormann aus Wiedenbrück. Die Gruppe bestand zunächst nur aus sieben Hauptfiguren:
Corpus Christi am Kreuz, guter Schächer ( mit Kreuz und Engel), böser Schächer ( mit Kreuz und Teufel), Maria, Johanns, Maria Magdalena, römischer Hauptmann.
Im Jahre 1920 wurde diese Gruppe durch vier weitere Figuren erweitert:
weinende Frau, kniende Frau, römischer Soldat, Jude.

Sämtliche Figuren sind aus massivem Holz geschnitzt. Die Vergoldung und Bemalung wurde von dem Kunstmaler Johannes Grewe aus Wiedenbrück ausgeführt.

Die Kalvarienbergdarstellung erinnert an Passionsdarstellungen des süddeutschen Großbarock und des westdeutschen Kleinbarock des 18. Jahrhunderts.

Die Kalvarienberggruppe gilt als das herausragendste Kunswerk der St. Elisabeth-Kirche, eine Darstellung voller Ernst und Eindringlichkeit, die den gesamten Kirchenraum beherrscht.

Der Zelebrationsaltar

Er wurde 1922 nach Entwürfen von Prälat Theodor Grabegeschaffen.

Die Frontseite des Altares besitzt eine klassische Dreiteilung mittels kannelierter Pilaster und Felderfüllungen. In das mittlere Feld sind - auf ausdrücklichen Wunsch von Prälat Grabe - die beiden Worte "Ave Maria" hineingesetzt worden.

 

Darstellungen der Heiligen Elisabeth

Die Heilige Elisabeth von Thüringen ist die Patronin der Katholischen Kirche in der Kolonnenstraße auf der „Schöneberger Insel“, deren Weihe am 19.11.1911 statt fand.

Wer war diese Heilige? Welche Darstellungen gibt es von ihr in der St.-Elisabeth-Kirche?

 

tauferkerDER TAUFERKER DER VORHALLE

Hinter dem Doppelportal, in der axialen Mitte der Vorhalle, befindet sich der heute ruinöse Tauferker, der aus Sandstein besteht. Er wurde 1911 vom Holz- und Steinbildhauer Anton Mormann aus Wiedenbrück/Westfalen geschaffen.

Im Kriegsjahr 1944 ist der gesamte obere Teil, das Ziborium, durch Bombeneinwirkung zerstört worden. Der untere Erkerteil ist original erhalten. Die drei Blendfenster der Vorderseite sind figural besetzt mit Reliefs von Heiligen als Sitzfiguren. Links: der Heilige Josef, Mitte: Maria mit Kind, Rechts: die Heilige Elisabeth.

Die Heilige Elisabeth trägt eine Krone und hat auf dem Schoß einen mit Brot gefüllten Korb, den sie mit der linken Hand hält. Mit der rechten Hand reicht sie ein Brot einem seitlich vor ihr knienden Krüppel.

Das Brot-Attribut steht für ein Werk der Barmherzigkeit: Hungrige zu speisen (Mt 25,35).

Die Krone ist hier als Zeichen der Heiligkeit zu sehen, nicht als Standessymbol ihrer Abstammung.

 

 

DAS KLEINE ELISABETHFENSTER

Das moderne Fenster im kleinen Vorraum der Kirche („Werktagseingang“) ist ein Entwurf vom Berliner Künstler Paul Corazolla, die Ausführung von der Fa. Werner Held, Berlin-Kreuzberg (1959).

Zu sehen ist eine gekrönte Elisabeth mit Heiligenschein, wie sie einem Nackten ein Gewand reicht. Es ist auch eine Illustration eines der barmherzigen Werke, nämlich Bedürftige zu kleiden (Mt 25,36).

Seit der Fusion von St. Elisabeth mit St. Matthias im Jahr 2004 ist diese Darstellung auch auf dem Deckblatt der Pfarrnachrichten von St. Matthias.

 

opferstockDER OPFERSTOCK

Im Kirchenraum sind sieben Opferkästen (Almosenbehälter) an der Wand der Rückseite des Kirchenraumes aufgestellt.

Der „Elisabeth-Opferstock“, der der Mission gewidmet ist, zeigt die Kleiderspende Elisabeths an Bedürftige, eine weitere Darstellung eines der Werke der Barmherzigkeit. Der Moment ist dargestellt, in dem sich der neben der Heilige Elisabeth kniende Bettler mit erhobenen der Heilige Elisabeth kniende Bettler mit erhobenen Händen reckt und gerade in das von ihr gehaltene Gewand schlüpft.

 

 

 

DER ELISABETH-VOTIV-ALTAR

 

Der Flügelaltar des Künstlers Rudolf Heltzel wurde am 19.11.1956 geweiht.

Im Mittelteil des senkrechten Altaraufsatzes steht in einem gotischen Holzrahmen die Relief-Figur der Heilige Elisabeth, die als Schutzpatronin ihren Mantel über die nach ihr benannte Kirche hält. In der rechten Hand hält sie einen Brotlaib.

Auf den beiden klappbaren Flügeln sind, in Intarsienarbeit, 6 Szenen aus dem Leben der Heilige Elisabeth dargestellt. Dieser Zyklus gibt ihr Leben und Wirken wieder (die 4. und 5. Szene ist zu vertauschen).

Elisabeth wurde nach der Überlieferung am 07.07.1207 in Sáros-Patak (oder in Preßburg) in Nordungarn (oder in der Slowakei) als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. geboren. Ihre Mutter Gertrud, eine Schwester der Heilige Hedwig, stammte aus dem Geschlecht der Andechs-Meranier aus Bayern. Als Vierjährige wird Elisabeth an den Hof des Thüringer Landgrafen Hermann I. gebracht und dort mit dessen ältesten Sohn Hermann verlobt ( a).

Hermann stirbt (Silvester 1216) und sein Bruder Ludwig wird nach dem Tod des Vaters sein Nachfolger. Im Alter von 14 Jahren heiratet Elisabeth den 21jährigen Ludwig IV. (1221). Verbürgt ist, dass aus der „Bündnisehe“ ein Liebesbund wurde. Sie hatten drei Kinder.

Zwischen den Jahren 1223 und 1225 treten die Franziskaner in das Umfeld Elisabeths. Ihre Ideale vollkommener Armut und Demut beeindrucken Elisabeth sehr. Sie will, dass es gerecht zugeht, und es entwickelt sich eine Frömmigkeit, die zu einer sozialen Haltung wird. Ihr Mann unterstützt sie, aber die Hofgesellschaft betrachtet sie mehr als skeptisch.

Das „Rosenwunder“ (b) ist die bekannteste Elisabeth-Legende: Ludwig trat seiner Frau, die mit einem mit Brot gefüllten Korb unter ihrem Mantel die Wartburg hinabstieg, mit der Frage entgegen: „Was trägst du da?“, deckte den Mantel auf, sah aber nichts als Rosen.

Diese Episode wurde spät erst von der Heilige Elisabeth von Portugal (1270-1336, Fest am 04.07.), einer Großnichte der Elisabeth von Thüringen, auf „unsere“ Elisabeth übertragen. Sie wird weder dem liebevollen Einvernehmen der Eheleute gerecht noch der Würde der Persönlichkeiten. Die Namensgleichheit beider Frauen hat wohl dazu beigetragen, dass das „Rosenwunder“ in die Vita der Elisabeth von Thüringen kam.

Als Ludwig 1225/1226 auf einer Reise ist und eine schwere Hungersnot das Land erfasst, lässt Elisabeth Getreide an die Armen verteilen. Die Verwandten murren, aber Ludwig stellt sich nach seiner Rückkehr hinter Elisabeth: „Wenn sie mir nur die Wartburg nicht verschenkt, bin ich´s wohl zufrieden.“

Elisabeth, gerade 20 Jahre alt, muss von Ludwig Abschied nehmen(c), der als Kreuzritter zum 5. Kreuzzug nach Palästina aufbricht. Ludwig erkrankt und stirbt am 11.09.1227 in Otranto, Süditalien, an einer Seuche.

Es kommt zum Konflikt zwischen Elisabeth und ihrem Schwager Heinrich Raspe, der Elisabeth „aller Welt Törin“ nennt. Er verlangt von ihr, dass sie sich der „allgemeinen Sitte“ füge und entzieht ihr die Nutzung ihres Witwengutes.

Elisabeth bricht völlig mit ihrem früheren Leben. Sie verlässt mittellos mit ihren Kindern die Wartburg (e) und verbringt den Winter 1227/28 unter schweren Umständen in Eisenach.

Sie erhält schließlich ihr Witwengut und geht, nachdem sie ihre drei Kinder gut untergebracht hat, im Sommer 1228 nach Marburg an der Lahn (Hessen), wo sie ein kleines „Franziskus-Hospital“ zur Armen- und Krankenpflege aufbaut. Sie lebt als dienende Magd in äußerster Demut und Askese. Sie ist weder Hospital-Vorsteherin noch leitet sie die kleine Frauengemeinschaft. Im grauen Gewand des dritten Franziskusordens (Terziarier) verrichtet sie die niedersten Arbeiten, wie es in allen Berichten heißt, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Augenzeugen rühmen ihre Fröhlichkeit und ihr Gottvertrauen.

Elisabeth stürzt sich in die Arbeit, in die Selbstaufopferung. Sie schenkt und würde am liebsten alles verschenken, was sie hat. Konrad von Marburg, ihr asketischer Beichtvater, den sie noch zu Lebzeiten Ludwigs und mit seinem Einverständnis erwählte, hält sie davon ab, um für den Unterhalt des Hospitals Mittel zu sichern. Dabei schreckt Konrad auch vor derben Körperstrafen für Elisabeth nicht zurück, die er selbst ausführt oder ausführen lässt (d). Elisabeth nimmt die Strafen mit fröhlicher Gelassenheit hin. Ihr nahe Stehende beschreiben, wie sie gleichzeitig lachen und weinen kann.

Elisabeth sucht nicht nach effektiv organisierter Nächstenliebe, sie will sich verschwenden für die Armen, jetzt und sofort. Aufopferungsvoll kümmert sie sich um Leprakranke, hungrige, verwahrloste Kinder und Bettler (f).

In dieser Zeit erwacht in Elisabeth immer stärker das mystische Leben: Visionen, Entrückungen und Verzückungen werden ihr zuteil.

Elisabeth verausgabt sich und stirbt am Morgen des 17.11.1231 nach kurzer Krankheit. Zwei Tage danach wird sie in ihrer Marburger Hospitalkapelle beigesetzt.

Am 27.05.1235 erfolgt durch Papst Gregor IX. die Heiligsprechung. Ihr Fest wird am 19.11. gefeiert.

 

DER HOCHALTAR

hochaltar

Der Hochaltar aus dem Jahr 1911 stammt vom Kunsttischler Anton Becker-Brockhinke aus Wiedenbrück/Westfalen.

An den Außenseiten sind, unter kleinen Baldachinen stehend, zwei Heiligenfiguren. Figur rechts: Der Heilige Matthias, der Patron der Muttergemeinde von St. Elisabeth. Figur links: Die Heilige Elisabeth, die Patronin der St.-Elisabeth-Kirche.

Die aus Holz geschnitzten Figuren sind, wie fast alle figürliche Darstellungen im Kirchenraum, ein Werk des Bildhauers Anton Mormann. Die außergewöhnlich hohe neogotische Qualität, zurückführbar auf rheinische Schnitztraditionen, tritt im Detail der Faltenwürfe und im Schnitzduktus hervor. Die Entwürfe stammen von Pfarrer Theodor Grabe (1907-1935). Der Kunstmaler Johannes Grewe aus Wiedenbrück schuf die Vergoldung und die Polychromie (bunte Bemalung ohne einheitlichen Gesamtton). Durch die Polychromie wirken alle Figuren sehr lebendig.

Die Heilige Elisabeth ist dargestellt als jugendliche Fürstin mit Krone. Unter ihrem goldenen Mantel trägt sie die einfache graue Franziskanertracht mit einem Zingulum (Gürtelstrick mit Knoten). Die Heilige Elisabeth hebt ihre rechte Hand zum Segen und in ihrer Schürze, die sie mit der linken Hand hält, liegen Rosen, die auf das populäre „Rosenwunder“ anspielen.

 

DIE ELISABETH-GLOCKE

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Die 5 Glocken des Kirchengeläuts stammen aus der Glockengießerei Rudolf Perner, Passau-Hackelberg.

Gussbeginn war am 19.08.1959 und die Glockenweihe geschah am 20.11.1960 durch den Weihbischof Dr. Alfred Bengsch, später Bischof von Berlin (1961-1979), Erzbischof (1962) und Kardinal (1967), einem „Kind“ von St. Elisabeth. Am 25.11.1960 ertönte zum ersten Mal ihr feierliches Geläute.

Die mittlere Glocke ist die Elisabeth-Glocke, die 800 kg wiegt. Auf ihrer Außenseite ist die Heilige Elisabeth abgebildet. Sie hat Brote in ihrer Schürze und links und rechts von ihr hockt jeweils ein Bettler.

Am oberen Glockenrand ein umlaufender lateinischer Schriftzug:

S. Elisabeth, Gloria Teutoniae

(Elisabeth, du Ruhm Deutschlands).

Diesen Ehrentitel hat man ihr auf ihr Grabmal in Marburg gesetzt.

 

DAS GROSSE ELISABETHFENSTER

elisabeth-fenster

Sämtliche Kirchenfenster wurden im letzten Krieg zerstört; die Kirche mit ihrer wertvollen Innenausstattung nicht.

Aufgrund eines Gelübdes wird jedes Jahr am 15. August bzw. am darauffolgenden Sonntag mit Betstunde und dem Empfang der Heilige Sakramente für den Erhalt der Kirche gedankt.

Das Elisabethfenster, in der rechten Kirchenwand das erste Hauptfenster links, ist ein Werk von Prof. Ludwig Kowalski, Berlin-Zehlendorf. Ausgeführt wurden seine Entwürfe durch die Werkstätten August Wagner, Berlin-Neukölln (1960).

Dargestellt ist die Heilige Elisabeth mit dem Heilige Franziskus von Assisi (1182-1226) und dem Heilige Thomas von Aquin (1225-1274). Alle drei Heiligen waren Zeitgenossen. Es gibt aber noch mehr Verbindendes, was laut Pfarrer Boto H. Mey (1982-1997) ihre gemeinsame Darstellung rechtfertigt: Die Verkörperung der drei Wesenseigenschaften der Nachfolge Jesu, nämlich Martyria, Diakonia und Liturgia, die untrennbar zusammengehören.

Martyria: der Heilige Franziskus

(mit Stabkreuz und Hand-Stigmata)

Diakonia: die Heilige Elisabeth

(mit Broten in ihrer Schürze)

Liturgia: der Heilige Thomas

(mit Kelch u. eucharistischem Brot)

Mit dem Heilige Franziskus ist die Heilige Elisabeth durch die gelebte Armut verbunden, mit dem Heilige Thomas durch das Brot: Der Brotausteilung in der Diakonie entspricht in der Liturgie die Kommunionausteilung.

Die heilige Elisabeth ist dargestellt als Fürstin mit Krone in prächtiger Kleidung. In ihrer Schürze sind Rosen und Brote zu sehen. Unter ihr das Wappen von Thüringen (sieben Sterne auf rotem Grund).

 

Zum Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit und Dankbarkeit hat die slowenische Gemeinde in der St. Elisabeth-Kirche ein Glasfenster des Seligen Anton Martin Slomšek gestiftet. Das Fenster wurde von Darko Lesjak gestaltet.

Wir freuen uns, dass die Tagespost anlässlich des Jahres des Glaubens an diesen in Deutschland eher unbekannten Seligen erinnert hat.

 

 

Der Selige Anton Martin Slomšek

Von Katrin Krips-Schmidt

aus: Die Tagespost, 24.09.2013

Als erster Seliger Sloweniens wurde Anton Martin Slomšek am 19. September 1999 von Papst Johannes Paul II. zur Ehre der Altäre erhoben. Als großer Bewunderer der heiligen Cyrill und Method – der Missionare aus dem 9.Jahrhundert – ist er würdig, in die Fußstapfen seiner Vorgänger zu treten, denn auch er verstand es, als Glaubensbote seinem Volk die Frohe Botschaft zu bringen, die Kultur seines Landes voranzubringen und die Einheit der Kirche zu fördern.

Anton Martin Slomšek kam als erstes von acht Kindern eines wohlhabenden Landbesitzers am 26. November 1800 in der kleinen Ortschaft Slom in der Untersteiermark, die heute zu Slowenien gehört, zur Welt. Nach dem Studium der Philosophie in Laibach und Zengg trat er 1821 ins Klagenfurter Priesterseminar ein, in dem deutsche und slowenische Theologen gemeinsam studierten. 1824 folgte die Priesterweihe. Nach Kaplansstellen in der Untersteiermark und zehn Jahren als Spiritual des Priesterseminars in Klagenfurt übernahm er die Pfarrseelsorge in Saldenhofen. Slomšek flammender Predigtstil brachte ihm den Beinamen „slowenischer Cicero“ ein. Die Volksmission lag ihm so sehr am Herzen, dass er zahlreiche Bruderschaften ins Leben rief und in Wort und Schrift sein Anliegen – die Verkündigung des Evangeliums – verbreitete. Als religiöser Schriftsteller verfasste Slomšek viele Kinder-, Schul- und Jugendbücher, Katechismen, liturgische Lehrbücher, Biographien und Texte über die slowenische Geschichte – insgesamt sind es etwa 50 Werke, die seiner Feder entstammen. Hinzu kommt, dass er sich der Sammlung von Volksliedern widmete, die er ebenfalls veröffentlichte.

1844 übernahm er für die Diözese Lavant die Aufgabe eines Schulinspekteurs und zwei Jahre später wurde er zum Bischof dieser Diözese ernannt. Als Oberhirte verfolgte er mit apostolischem Eifer seine Ziele einer Evangelisierung: eine gute Ausbildung und Heiligung des Klerus, eine religiöse Unterweisung der Gläubigen sowie die Seelsorge für Eheleute und Familien.

Anton Slomšek setzte sich zudem für eine Förderung der Einheit mit der orthodoxen Kirche ein: Dafür gründete er 1851 die Bruderschaft der heiligen Slawenapostel Cyrill und Method.

Im Jahr 1859 verlegte Bischof Slomšek den Sitz der Diözese Lavant von St. Andrä nach Maribor, um hier die in der Steiermark lebenden Slowenen zu vereinen. Wichtig war ihm auch die Förderung der slowenischen Sprache – dies nicht nur unter patriotischen, sondern vor allem unter pastoralen Aspekten. So brachte er beispielsweise seine Hirtenbriefe auf Deutsch und auf Slowenisch heraus.

Anton Martin Slomšek starb am 24. September 1862 in Maribor.

Bei der Seligsprechung in Maribor stellte Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache den neuen Seligen der Jugend als Vorbild einer „echten Liebe zum Vaterland“ vor Augen. Bischof Slomšek zeige, so der Papst weiter: „dass es möglich ist, ein aufrichtiger Patriot zu sein und mit der gleichen Aufrichtigkeit mit Menschen anderer Nationalität, anderer Kultur und anderer Religion zusammen zu leben und zu arbeiten.“